Was bedeutet die Auferstehung für mich?

Im Gemeindekolleg über die Auferstehung am 30.03.22 wies Rudi Drews zu Beginn
auf ein Streitgespräch zwischen dem Amerikaner Dominic Crossan und dem
englischen Gelehrten N.T. Wright hin. Der Amerikaner stellte dem Engländer die
Frage: “Angenommen, Jesus wäre auferstanden, was würde das für Sie bedeuten?
Warum sollte das etwas so Besonderes sein?“ Was der englische Theologe darauf
geantwortet hat, wurde uns nicht mitgeteilt, aber es forderte mich heraus, darüber
nachzudenken, was die Auferstehung mir persönlich bedeutet.
Als junge Lehrerin nahm ich an einer internationalen Freizeit in Schweden teil. Es
wurden uns viele geistliche Impulse vermittelt, die mir nach so vielen Jahrzehnten
entfallen sind. Jedoch hat sich mir eine Predigt zum Thema Philipper 3,10 („Ich
möchte nichts anderes mehr kennen als Christus, damit ich die Kraft seiner
Auferstehung erfahre…“) eingeprägt, als hätte ich ihr gestern zugehört.
Ja, was bedeutet diese Kraft der Auferstehung? Sie hat etwas Totes zum Leben
erweckt. Wenn mein Leben zu dem Zeitpunkt auch schon länger Jesus gehörte,
bekam die Auferstehungskraft Jesu eine ganz neue Bedeutung für mich. Mein ganzes
Leben gehört Gott als Folge der Auferstehung. Durch sie habe ich freien Zugang zum
Thron der Herrlichkeit, kann meine Ehrfurcht, meinen tiefen Dank, meinen Lobpreis,
aber auch allen Kummer an Gottes Herz legen – Jesus hat den Weg für uns zum
Vater gebahnt, die wir nicht zum Volk Gottes, den Juden, gehören. Als Lehrerin
wurden mir über einige Jahrzehnte Kinder anvertraut, denen ich Jesus lieb machen
konnte. Ja, für sehr viele von ihnen zählte der Religionsunterricht zu den
Lieblingsstunden – auch an staatlichen Schulen.
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes und die Gabe des Heiligen Geistes
mein Herz mit großer Dankbarkeit IHM gegenüber erfüllt! – Er hat mich in schweren
Zeiten liebevoll begleitet und mich erleben lassen, dass „meine Last leicht“ wurde,
weil er in jeder Situation an meiner Seite war. Nicht selten hat ER aus Schwerem
Gutes entstehen lassen, sodass ich die paulinische Aussage in Epheser 3,20
bewahrheitet sah: „Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals von IHM
erbitten oder auch nur ausdenken können. So mächtig ist die Kraft, mit der ER in uns
wirkt!“
Auch heute noch erlebe ich seine Wunder, die ER mich erfahren lässt, und das alles
ist nur möglich, weil ER als der Auferstandene an meiner Seite ist.
Barbara Wloczyk

Auferstehung – Der Sieg ist errungen
Im letzten Monat haben wir Ostern gefeiert: Das Fest der Kirche, das alles verändert
hat! Entsprechend können wir voller Hoffnung und Siegesgesang von den Feiertagen
in den Alltag starten. „Nein, die momentane Weltsituation lädt nicht dazu ein“, ertönt
eine Stimme in mir. Aber ehrlicherweise tat sie das noch nie, solange sie ohne die
Auferstehung interpretiert wird.
Als Christen stimmen wir eben nicht in den Trauergesang ein, sondern wir wissen
durch die Auferstehung, dass Gott bereits mittendrin ist, alles neu zu machen! Und
das darf man uns Christen abspüren, indem wir Hoffnungsträger in unserer
Umgebung sind!
Auferstehung, das Zentrum unseres Glaubens
Die Auferstehung ist wie das Zentrum eines Spinnennetzes, von dem die einzelnen
Stränge des christlichen Glaubens abgehen. Der Glaube an die Auferstehung wird
unsere gesamte Weltsicht bestimmen. Entsprechend handelt es sich beim Glauben um
die Auferstehung nicht um einen „Kann-Glauben“, wie wir es häufig mit
unterschiedlichen theologischen Positionen in pluralistischen Kontexten machen,
sondern er ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Wer die Auferstehung leugnet,
hat das Zentrum des christlichen Glaubens verlassen!
Der Auftrag der Auferstehung
Die Auferstehung ist aber auch gleichzeitig die Beauftragung an die Kirche Jesu
Christi in dieser Welt. Als Bürger des Himmels beten wir und setzen wir uns dafür
ein, dass der „Himmel schon jetzt auf Erden“ kommt. Die göttlichen Prinzipien sollen
schon jetzt Bedeutung in unserem Leben bekommen. Dies schließt alle unsere
Lebenssituationen ein: Umgang miteinander, Umgang mit mir selbst, Umgang mit
der Natur und natürlich den Umgang mit Gott.
Die Auferstehung erinnert uns schlussendlich daran, dass nicht wir das Zentrum des
Universums sind, sondern dass das Universum zu Gott hin geschaffen ist und ihm
erneut unterstellt werden soll (1. Kor. 15, 28).
Der anglikanische Bischof Leslie Newbegin wurde eines Tages gefragt, ob er
optimistisch oder pessimistisch auf die Zukunft der Welt schauen würde. „Weder
noch“, war seine Antwort. „Jesus Christ ist von den Toten auferstanden!“ Er wollte
damit deutlich machen, dass das gesamte Universum doch eigentlich nur auf die
endgültige Erlösung wartet – die allein von Gott kommen kann. Es ist wahrhaftig
jetzt schon alles neu – auch wenn wir noch auf die Vollendung warten!
Rudi Drews