Rückblende: Die Weisen und der Stern von Bethlehem

Die Predigt von Rudi Drews in der Vorweihnachtszeit, in der er in die Rolle eines der Weisen aus dem Morgenland geschlüpft ist, hat mich noch länger beschäftigt. Dazu hat natürlich die Konjunktion von Jupiter und Saturn am 20.12. letzten Jahres beigetragen, die besondere Stellung dieser Planeten auf ihren Umlaufbahnen, wodurch beide als ganz heller Stern erscheinen. Diese Erscheinung am Nachthimmel deuteten die Weisen als Zeichen für die Geburt eines neuen Königs der Juden in Palästina. Sie machten sich auf den langen Weg nach Jerusalem. Rudi erklärte uns auch, er und seine Kollegen kannten sich am Sternenhimmel gut aus. Es musste etwas Außerordentliches geschehen sein. Und auch das erwähnte er so nebenbei – einer ihrer Vorfahren sei der Prophet Daniel gewesen.
Diese Erklärung hatte ich schon einmal gehört. Nicht alle Juden kehrten aus dem Exil in Babylon zurück nach Judäa, viele blieben. Darunter mögen auch solche Gelehrte gewesen sein, die sich mit den Gestirnen auskannten, also Astronomie betrieben, würden wir heute sagen.
Mit ihrer Deutung am Sternenhimmel begeben sich die Weisen auf das Gebiet der Astrologie, sie werden ja auch als Magier oder Sterndeuter bezeichnet. Die Sterne wissen gar nichts, sagt der Theologe Armin Baum, Professor an der FTH Gießen. Deshalb können auch keine Ereignisse auf der Erde bei ihnen abgelesen werden. Dennoch sind sich die Weisen sicher, diese Erscheinung am Himmel muss mit einem König in Palästina zusammenhängen. Wenn sie sich als Nachkommen Daniels verstanden haben, hätten sie dann nicht auch wissen können oder müssen, dass Gott seinem Volk untersagt hatte, die Sterne zu befragen (Jer. 8,2)? Und auch die Frage, als sie endlich in der Hauptstadt Jerusalem angekommen waren, wo denn der neue König der Juden zu finden sei, lässt nicht darauf schließen, dass sie sich mit alttestamentlichen Verheißungen auskannten. Der Prophet Micha hatte schon Ende des achten Jahrhunderts angekündigt, der künftige Herrscher Israels werde nicht in Jerusalem, sondern in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren werden (Micha 5,1).
Ob Magier, Sterndeuter oder Gelehrte jüdischer Abstammung – es bleibt dabei, mit ihrer Deutung lagen sie goldrichtig. Sie wurden auch nicht in die Irre geleitet, sondern fanden den, den sie gesucht hatten. Sie brachten Jesus, dem Sohn Gottes, wertvolle Geschenke und beugten ihre Knie vor ihm als die Ersten außerhalb Palästinas. Die damals durchaus mögliche Konjunktion von Saturn und Jupiter und die Weisen sind sozusagen der Gegenpol einer Geburt des Höchsten im Stall, dem Inbegriff von Anonymität und Bedeutungslosigkeit. Gott hat hier Ereignisse am Himmel und Menschen in der Ferne benutzt, um die Geburt seines Sohnes zum beachtlichen Ereignis werden zu lassen. Und dass Gott seine Hand im Spiel hatte, wird zudem daran deutlich, dass die Weisen, Sterndeuter oder Magier aus Mesopotamien eine göttliche Weisung erhielten, nicht wieder über Jerusalem in ihr Land zu ziehen.
Das sind interessante Zusammenhänge, finde ich. Was sagen sie mir, was sagen sie uns? Gott geht eigenartige Wege, um seinem Sohn Ehre und Anbetung zukommen zu lassen. Dabei gebraucht er Leute, die wir wohl für unwürdig gehalten hätten. Zuerst waren es unbedeutende Hirten und dann dubiose Leute aus dem fernen Ausland.
Reinhard Gottschling

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